Schulhundkonzept

  • Schulhund Spencer
  • Ein Konzept für ein Schulhundprojekt an der Hostatoschule,
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1 Einleitung .............................................................................................................
  • 2 Effekte eines Schulhundes ...................................................................................
  • 3 Rahmenbedingungen für den Einsatz des Schulhundes Spencer .......................
  • 4 Der Einsatz des Schulhundes Spencer ................................................................
  • 4.1 Mögliche Unterrichtsinhalte ...........................................................................
  • 4.2 Zentrale Förderbereiche ................................................................................
  • 5 Literaturverzeichnis ............................................................................................
  • 1 Einleitung
  • Mit dem Begriff tiergestützte Pädagogik werden Interventionen bezeichnet, bei denen spezifisch ausgebildete Tiere eingesetzt werden, um vorhandene Ressourcen des Kindes zu stärken, weniger gut ausgebildete Fähigkeiten, insbesondere im emotionalen und sozialen Bereich zu fördern sowie die Kompetenzen des Kindes insgesamt zu verbessern.
  • Hundegestützte Pädagogik meint den systematischen Einsatz von ausgebildeten Hunden in der Schule zur Verbesserung der Lernatmosphäre und individuellen Leistungsfähigkeit sowie des Sozialverhaltens der Schüler.
  • 2 Effekte eines Schulhundes
  • Diverse Studien belegen, dass das Lernen mit einem Schulhund sich zum einen auf psychologische und physiologische und zum anderen auf soziale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler1 auswirkt.
  • 1 Schüler und Schülerinnen wird nachfolgend mit Schüler abgekürzt, selbstverständlich sind beide Geschlechter angesprochen.
  • 2 S. Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag. 2015
  • 3 S. Heyer, Meike; Kloke, Nora: Der Schulhund. 2013
  • 4 Vgl. Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag. 2015
  • 5 S. Heyer, Meike; Kloke, Nora: Der Schulhund. 2013
  • „Hunde in der Schule machen Lust auf Lernen, wohl auch weil sie die Stimmung von Menschen positiv beeinflussen können." 2 Dies kann durch das Spielen oder Kuscheln mit einem Hund oder durch ein spontanes Verhalten seitens des Hundes (Schwanz wedeln, …) erfolgen. Die gesteigerte Lernfreude wirkt sich somit auf die Lernatmosphäre aus, da diese durch die bloße Präsenz des Schulhundes aufgelockert wirkt. Eine angenehme Lernatmosphäre hat wiederrum eine positive Wirkung auf das Unterrichtsklima, da ein Schulhund eine stressreduzierende Wirkung, durch z.B. Streicheln des Hundes, auf die Schüler hat. „Das stressfreie Unterrichtsklima führt bei Lehrkräften und Schülern zu einer höheren Zufriedenheit und kann zur Steigerung des Lernerfolgs beitragen."3 Weiter verbessert ein Schulhund die Konzentration und Motivation der Schüler sowie die Einstellung gegenüber der Schule (weniger Schulunlust).4
  • „Empathiebewusstsein ist für ein soziales Miteinander, welches die Grundlage eine positive Lernatmosphäre bildet, von zentraler Bedeutung."5 Schüler lernen, dass Hunde unmittelbar und ehrlich reagieren. Werden diese grob und unsanft behandelt, so weichen sie zurück und 4
  • wenden sich von der Person ab. Achtet man ihre Bedürfnisse und stellt für sie einen zuverlässigen Partner dar, so wenden sich Hunde dem Menschen zu und zeigen Freude und Zuneigung. Die positive Rückmeldung des Hundes an den Menschen löst im Menschen wiederrum positive Gefühle aus. „Das Arbeiten mit einem Schulhund hilft Schülern Rücksichtnahme, soziale Sensibilität und angemessene Formen der Selbstbehauptung (Konsequenz) zu erlernen."6 Die Erfahrung vom Tier gemocht, gebraucht und akzeptiert zu werden, stärkt das Selbstbewusstsein der Schüler und kann dazu beitragen, dass die erlernten Verhaltensweisen auf soziale Situationen mit dem Menschen übertragen werden.
  • 6 S. Heyer, Meike; Kloke, Nora: Der Schulhund. 2013
  • 7 Vgl. Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag. 2015
  • Kinder mit Makeln (Übergewicht, körperliche Beeinträchtigung, sprachliche Barrieren, …) erfahren durch die bedingungslose Akzeptanz eines Hundes ein Gefühl des Angenommenseins. Auch für pubertierende Jugendliche, welche nur schwer ihr Bedürfnis nach körperlicher Zuneigung zeigen können, kann der Hund eine „Image-kompatible" Möglichkeit für freundliches Verhalten und positiven Körperkontakt darstellen.7
  • Ein weiterer Wirkungseffekt eines Schulhundes stellt die stärkere Kommunikation sowohl zwischen den Schülern als auch zwischen Schülern und Lehrkräften dar. Der Schulhund ist durch seine Präsenz im Unterricht Gesprächsthema, sei es die Körpersprache zu analysieren oder ihm Kommandos zu erteilen.
  • Ebenfalls kann der Einsatz eines Schulhundes die Bereiche Gesundheitsförderung durch Bewegungsmotivation, Ernährungserziehung, Aggressions- und Konfliktmanagement, Gewaltprävention, Umgang mit Stress und Lärmproduktion positiv beeinflussen. So kann durch einen gemeinsamen morgendlichen Spaziergang der Bewegungsdrang der Schüler mit in den Schulalltag befriedigt werden, um danach einen entspannten Unterrichtstag zu beginnen.
  • 3 Rahmenbedingungen für den Einsatz des Schulhundes Spencer
  • Zu den wichtigsten Charaktereigenschaften eines Schulhundes zählen ein ruhiges und freundliches Wesen, das Interesse am Menschen, eine absolute Verträglichkeit mit Kindern, eine geringe aggressive Ausstrahlung und Aggressionsbereitschaft und kein Herdenschutztrieb. Ebenfalls sollte der Hund über einen Grundgehorsam verfügen, eine geringe Stress- und Geräuschempfindlichkeit zeigen, selbstsicher und aufgeschlossen auftreten und körperlich gesund sein. 5
  • Der Schulhund Spencer ist Frau Seibels privates Haustier und wird von ihr finanziert und versorgt. Sie setzt ihren Hund ohne zusätzliche Entlohnung im Unterricht an der Hostatoschule ein. Der Schulhund verfügt über eine eigenständige Haftpflichtversicherung, welche über den Einsatz informiert ist.
  • Spencer of Shannondale ist ein vierjähriger Irish-Red-Setter - Rüde. Diese Hunderasse ist dafür bekannt, dass sie sehr liebenswerte, sanfte, freundliche und intelligente Hunde sind. Daher eignen sie sich gut als Familienhund. Durch seine ruhige und ausgeglichene Art ist Spencer bei Kindern sehr beliebt und liebt es von ihnen gestreichelt zu werden.
  • Spencer besitzt eine sehr gute Leinenführigkeit und einen guten Grundgehorsam. Derzeit besuchen Frau Seibel und Spencer die Hundeschule, um dort die Begleithundeprüfung abzulegen. Neben den gängigen Sicht- und Hörzeichen beherrscht Spencer auch zahlreiche Tricks, die er auch bei den Schülern anwendet. Spencer ist bei allen Personen an der Schule bekannt, da im Rahmen seiner Einführung jede Klasse besucht und ein Plakat mit grundlegenden Regeln und der Körpersprache von Hunden präsentiert wurde. Er wird im Gebäude und auf dem Schulhof an der Leine geführt, im Klassenzimmer bewegt er sich frei. Dem Einsatz des Schulhundes wurde in einem Konferenzbeschluss vom 22.02.2016 zugestimmt.
  • Spencer wird regelmäßig tierärztlich untersucht, geimpft, entwurmt und gegen Ektoparasiten behandelt. Es liegen ein Gesundheitsattest und ein ergänzender Hygieneplan vor. Betroffene Schülereltern bestätigen schriftlich, dass sie mit dem Schulhundprojekt einverstanden sind und keine bekannte Allergie gegen Hunde bei ihren Kindern vorliegt.
  • Außen an der Klassentür ist über ein entsprechendes Foto mit Text für alle deutlich zu erkennen, ob Spencer anwesend ist. Aus hygienischen Gründen ist der Einsatz des Schulhundes in der Schulküche nicht gestattet.
  • Verhaltensregeln und die Körpersprache von Hunden wurden vorab mit den Schülern gemeinsam erarbeitet und auf einem Plakat festgehalten. Dies hängt für alle sichtbar im Klassenraum. Zusätzlich hat jede Schulklasse ein solches Plakat erhalten, um grundlegende Regeln einzuhalten, falls sie Spencer auf dem Schulhof begegnen sollten.
  • Spencer und Frau Seibel absolvieren die Ausbildung zum Schulhundteam bei, Schulhundzentrum. Die Ausbildung umfasst 7 Wochenendseminare und beinhaltet 6
  • theoretische Grundlagen, rechtliche Bedingungen, die Konzeptentwicklung für das Schulprogramm sowie zahlreiche Praxisanteile für Einsatzmöglichkeiten im Unterricht.
  • 4 Der Einsatz des Schulhundes Spencer
  • Seit März 2016 begleitet Spencer Frau Seibel einmal wöchentlich in den Unterricht der Klasse 9b mi 23 Schülern im Alter von 14 bis 17 Jahren.
  • Durch gezielte Übungen mit dem Schulhund werden die Konzentration, die Empathie gegenüber Tieren, die Verantwortungsbereitschaft und das Sozialverhalten gefördert. Ein weiteres Ziel ist die Steigerung der Lernmotivation und –freude an den eigentlichen Aufgaben, welche inhaltlich und in der Ausführung dem üblichen Unterricht entsprechen.8
  • 8 Vgl. Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag. 2015
  • Im Fach Gesellschaftslehre lernen die Schüler die Verhaltensregeln im Umgang mit Hunden (im speziellen mit Spencer), die Körpersprache, Hundeberufe, physiologischer Aufbau im Vergleich von Mensch und Hund sowie die Sinne im Vergleich von Mensch und Hund. Das Gestalten einer Hundebox als Rückzugsort wird im Arbeitslehre- und Kunstunterricht durchgeführt. Ebenfalls lassen sich Spielzeuge und Intelligenzspiele im Arbeitslehre- und Kunstunterricht anfertigen (z.B. Nähen von Stoffspielzeugen). Darüber hinaus lernen die Schüler regelmäßige Aufgaben zuverlässig zu erfüllen und Bedürfnisse anderer Lebewesen kennenzulernen.
  • Ein wichtiger Aufgabenbereich des Schulhundes ist die individuelle Förderung der Schüler. Eine Förderung der Aussprache kann durch das gezielte Trainieren mit Hörzeichen erfolgen. Durch die Aussprache des Kommandos in Verbindung mit der Umsetzung des Hundes erhalten die Schüler sofort eine Rückmeldung ohne jeglichen schulischen Stress oder Druck. Auch die Motorik der Schüler kann zum Beispiel durch das Trainieren mit Sichtzeichen oder der Leinenführigkeit gezielt gefördert werden. Ebenfalls erhalten die Schüler unmittelbar nach dem Erteilen des Sichtzeichens eine Rückmeldung über ihre motorischen Ausführungen. Führt der Hund das Sicht- oder Hörzeichen korrekt aus, so erlangen die Schüler sofort eine positive Rückmeldung. Diese Rückmeldung wird mit einer positiven Erfahrung verknüpft und stärkt das Selbstbewusstsein der Schüler.
  • Schüler werden fast tagtäglich mit Situationen, in denen Hunde beteiligt sind, konfrontiert. So können sie einem Hund beim Bummeln durch die Stadt auf engstem Raum begegnen oder aber auch beim Sonnenbaden auf einer Wiese. Ein wichtiges Ziel in der Einzelförderung ist somit das Erkennen der Körpersprache von Hunden. Viele Schüler deuten die 7
  • Körpersprache der Hunde falsch und reagieren dementsprechend nicht situationsgerecht. Durch das Beobachten des Schulhundes im Unterricht oder beim morgendlichen Spaziergang lernen die Schüler die Körpersprache besser zu lesen und dementsprechend die Empfindungen des Hundes besser zu deuten. Sie können somit situationsbezogen reagieren. Diese wichtigen Erkenntnisse lassen sich auf den Alltag der Schüler übertragen.
  • Die Kombination aus positiven Rückmeldungen über das Erteilen von Sicht- und Hörzeichen sowie aus dem Erkennen der richtigen Körpersprache mit situationsgerechtem Reagieren kann den Abbau von Ängsten gegenüber Hunden fördern.
  • Die folgenden Übersichten verdeutlichen mögliche Unterrichtsinhalte und zentrale Förderbereiche, die durch den gezielten Einsatz des Hundes Spencer angesprochen werden. 8
  • Naturwissenschaften
  • Sinne des Hundes und Menschen im Vergleich
  • Physiologischer Aufbau des Hundes und Menschen im Vergleich
  • Verhalten und Körpersprache
  • Hunderassen
  • Pflege, Hygiene, Ernährung
  1. Deutsch
  • Berichte und Arbeitsabläufe schreiben
  • Charakterisierungen beschreiben
  • Gegenstandsbeschreibungen
  1. Gesellschaftslehre
  • Hundeberufe
  • Verhaltensregeln
  • Was kostet ein Hund?
  • Hundezubehör
  • Domestizierung des Hundes
  1. Arbeitslehre und Kunst
  • Bau einer Hundebox
  • Bauen von Intelligenzspielen
  • Nähen einer Hundedecke
  • Nähen von Stoffspielzeugen
  • Hundebilder und Collagen erstellen
  1. Sport / Bewegung
  • Bewegungsparcours
  • Übungen zur Leinenführigkeit
  • Bewegungen auf der Wiese
  • Trick-Training
  1. Mathematik
  • Zeichnen eines Schrägbildes (Hundebox)
  • Berechnen des benötigten Materials
  • Vergleichen von Angeboten (Kostenplanung / -gegenüberstellung)
  1. Berufsorientierung
  • Stärken erkennen und fördern
  • Berichte und Arbeitsabläufe schreiben
  1. Soziales Lernen
  • Verantwortungsbewusstsein übernehmen (Bedürfnisse des Hundes beachten)
  • Einhaltung von Regeln
  • Interaktions- und Kooperationsspiele (Trick-Training, Leinenführigkeit, Sprünge über oder durch Gegenstände)
  1. 4.1 Mögliche Unterrichtsinhalte 9
  2. Lern- und Arbeitsverhalten
  • Konzentration
  • Lernfreude
  • Motivation
  • Einhalten von Regeln
  • Regulierung der Lautstärke
  • Regulierung des Bewegungsdrangs
  1. Soziabilität
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Akzeptanz - Toleranz - Respekt
  • Kooperationsfähigkeit
  • Einhalten von Regeln
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Integration in den Klassenverband
  • Konfliktvermeidung / -lösung
  • Durchsetzungsvermögen
  • Gefhrenbewusstsein
  • Teamfähigkeit
  1. Emotionalität
  • Selbstbewusstsein
  • Empathie
  • Frustrationstoleranz
  • Angstfreiheit
  • Umgang mit Neuem
  • Stressreduktion
  • Zuneigung zeigen
  • Bindung aufbauen
  • Vertrauen / Zutrauen
  • Geduld
  1. Sprachentwicklung
  • Gesprächsbereitschaft
  • verbaler und nonverbaler Ausdruck
  • Sprechrythmus
  • Anweisungsverständnis
  • Redetempo
  • Redelautstärke
  • Artikulation
  1. Motorik
  • Bewegungssteuerung
  • Körper-Raum-Orientierung
  • Bewegungsplanung
  • Sprach-Bewegungskoordination
  1. Kognition
  • Kreatiivität
  • Problemlösung
  • Generalisierung
  • Konzentration
  • logisches Denken
  • Strategisches Handeln und Planen
  1. Wahrnehmung
  • taktile Differenzierung
  • Berührungsempfinden
  • Körperempfinden
  1. 4.2 Zentrale Förderbereiche 10
  2. 5 Literaturverzeichnis
  3. Beetz, Andrea: Hunde im Schulalltag. Ernst Reinhardt Verlag. München. 2015
  4. Heyer, Meike; Kloke, Nora: Der Schulhund. Kynos Verlag. Merdlen. 2013
  5. www.schulhundweb.de
  6. www.schulhundzentrum-dogs-for-kids.de